Montag, 18. Februar 2013

Was ist eine Muse?

Letztens habe ich (in einem tweet wohlgemerkt) gelesen, dass eine Frau (oder ein Mann) schreibt, weil alles, was er/sie schreibt, ein Liebesbrief an die Frau/den Mann ist (also an ein Dich ist), er/sie nie zu schreiben aufhören würde. Das gibt mir zu denken. Ganz viel. Das mit dem Liebesbrief gefällt mir gut und dass dieser nicht endet, noch viel mehr. Aber in diesem Fall handelt es sich, glaub ich, um ein Paar und das finde ich doch sehr seltsam. Kann man wirklich miteinander leben und sich derart inspirierend finden, dass man permanent am ultimativen Liebesbrief herumzukritzelt? Für mich wäre das nichts.

Nein, das mit der Muse funktioniert glaub ich anders. Ich denke, dass die Muse nicht die Lebenspartnerin ist und vielleicht nicht einmal einen echten erotischen Background hat. Die Muse inspiriert, wie beim Verliebtsein, zu sagen: Schau! Schau! Inspiriert dazu, das, was einen umgibt, mit neuen Augen zu sehen und es beschreiben zu wollen. Abbilden zu wollen. Der Wunsch nach Erotik wird durch den künstlerischen Akt sublimiert. Nehm ich an, denn wirklich studiert hab ich das ja nicht. Und die Muse lässt einen etwas tun, sie verlangt nicht und sie bewertet nicht, sonst wäre sie Auftraggeberin oder Kritikerin. Sie ist keine Freundin, sie ist absichtslos. Und sie will nichts für sich selbst. Deshalb weiß man so wenig über die Musen von Frauen, denn das wären ja in den meisten Fällen Männer und wer kennt schon absichtslose Männer, die nichts für sich selbst wollen?

Wir, ja, wir, meine großen Söhne und ich, haben ein Sonett von Dante auswendig gelernt, in dem es um die engelsgleiche Beatrice geht. Und die Beatrice war ja nicht Dantes Lebens- und Bettgefährtin sondern eben das untadelige Wesen, das ihm, dem Dante, so viele Worte verlieh. Da Beatrice im Alter von 24 Jahren verstorben ist, musste sie das unschuldig Inspirierende auch nicht mit Anstrengung verteidigen.

Es geht also darum, ein Auge auf einen Menschen zu werfen, der einem die Illusion gibt, dass das, was man macht, wichtig ist. Plötzlich hört man sich selbst schreien: We want it all and we want it now! Oh wie peinlich. Aber da steht die Muse und lächelt. Sie wendet sich ab und schwebt davon. Ihr nach!
Man wirft ein Auge auf einen Menschen, der einen antreibt. Und wehe, wenn der/die Muse dann nicht herschaut. Dann wühlt man eben noch mehr im Schlamm herum.

Natürlich hat es doch mit Erotik zu tun, aber es ist noch mehr, und vor allem endet es nicht mit der Erotik, sonst könnte man eine gefinkelte Verführung ausdenken. Doch der Ansporn, den die Muse gibt, geht über das Seufzen - endlich, endlich spüren - weit hinaus: Ich will es in deinen Körper ritzen.

Reden wir also nicht von Liebesbriefen.

Besonders gut als Musen eignen sich Menschen, die weit entfernt sind. Die man nicht unterstützen muss. Man möchte aureichend wenig von ihnen wissen, denn man möchte ihnen ja alles von sich selbst ins Gesicht klatschen. Und wenig wissen, heißt viel Spielraum in der Interpretation. Und gleichzeitig möchte man sich doch verstanden fühlen. Ein bisschen leiden sollte der andere (die Muse), sonst wäre er ja nicht sensibel genug, zu lechzen, zu verstehen und nicht erschrocken zu sein, wenn man ihm das Messer ansetzt.

Während dieses Nachdenkens, während dieses Hechelns habe ich geträumt, dass ich mit dem Schriftsteller im Bett lag. Der Schriftsteller schlief und schlief. Er wachte auch nicht auf, als ein junger Mann die Bühne (also dieses Bett) betrat und mir einen mit Aceton benetzten Finger auf die Lippen legte. Sogar in diesem angestrengten Traum wusste ich, dass man mit Aceton Nagellack entfernt, und dass es nun auf meinen Lippen brennen würde. Der junge Mann sagte: Damit du dich daran gewöhnst.
Wenn der junge Mann die Muse war, dann danke, lieber nicht.
Ich fand den gar nicht attraktiv, den jungen Mann. Ich glaube, ich habe ihn letztens in einem Video auf you tube gesehen. Warum kann ich nicht von einem gut erhaltenen Neil Young träumen?
Wieso ist der Schriftsteller bei diesem Tohuwabohu nicht aufgewacht?
Und ja: Es brennt auf den Lippen.

Donnerstag, 14. Februar 2013

Atmen ist schön

und es geht ganz leicht.
Man vergisst es nur dauernd.
Genug geschlafen zu haben ist auch hilfreich. Letztens ist es mir gelungen, mich wohl zu fühlen. Obwohl die Professorin gesagt hat, meine Kinder sollen zu einer Psychologin gehen, weil sie eben keinen Satz analysieren können und weil sie an ihrem Unterricht nicht interessiert sind. Und obwohl mir der Inhalt des Urintests meines großen Sohnes, der in einer Fußballmannschaft spielen will, über die Finger gelaufen ist. Das war alles schrecklich. Sehr schrecklich. Und ich bin dagestanden (nachdem ich mir die Hände gewaschen hatte und nachdem ich einen Kaffee getrunken und ein Cornetto Crema Amarena gegessen hatte) und obwohl das alles so schrecklich war, habe ich mich wohl gefühlt. Ich nahm an, dass es daran lag, dass ich genug geschlafen hatte. Denn das ist mein Plan: 8 Stunden täglich zu schlafen. Vielleicht lag es einfach am Kaffee und am Cornetto. Oder daran, dass ich mir die Hände gewaschen hatte?
Ich werde es weiter probieren. Das mit den 8 Stunden gelingt mir nur selten. Das mit dem Kaffee und dem Cornetto noch weniger. Mir die Hände zu waschen, sollte ich im Auge behalten, für den Notfall.
Aber das mit dem Atmen ist immer wieder eine Überraschung.
Ich hab das nicht erfunden. Meine gebildete Freundin hat es mir schon oft gesagt, aber jetzt möchte ich es in die Welt hinausschreien: Atmet, Leute, atmet.

Mit der Psychologin habe ich telefoniert. Sie hat zwar nicht gerade gelacht, aber fast. Dann hat die Professorin ihre Anfrage zurückgezogen. Wenn ich mit ihr spreche, weicht sie immer sehr weit zurück. Ich weiß, dass sie einen schlechten Atem hat, vielleicht weiß sie das auch oder auch ich habe einen schlechten Atem. Das wird mich sicher nicht daran hindern, weiter zu atmen. Im Gegenteil.

Und den Urin hat der Sohn nochmal abgegeben. Diesmal hat er den Becher sehr gut zugeschraubt. War auch nicht so schwer.

Also alles zusammen: atmen, schlafen, Kaffee trinken, Hände waschen, Cornetto essen (nach Möglichkeit Crema Amarena), mit gescheiten Menschen telefonieren und Becher gut verschrauben, vor allem wenn Urin drin ist. In zweiter Linie: arbeiten, lesen, schreiben. Aber nicht auf facebook.